Schlechte Führungskräfte: Unvermögen oder altes Muster?

Viele Führungskräfte glauben, sie entscheiden frei. Ich bin da manchmal nicht so sicher. Nicht, weil sie nicht kompetent wären. Nicht, weil sie zu wenig Erfahrung hätten. Und sicher nicht, weil sie sich keine Mühe geben. Sondern weil in schwierigen Führungssituationen oft etwas anderes übernimmt:

·       ein altes Muster

·       ein innerer Glaubenssatz

·       ein Lebensskript

Der Lebenskript

In der Transaktionsanalyse spricht Eric Berne vom Lebensskript: einem inneren Drehbuch, das wir früh entwickeln und später oft unbewusst wiederholen. Auch in der Führung. Das zeigt sich zum Beispiel so:

·       Du willst ruhig bleiben, wirst aber scharf, sobald jemand deine Autorität infrage stellt.

·       Du willst delegieren, kontrollierst aber jedes Detail, weil „es sonst nicht gut genug wird“.

·       Du willst klare Entscheidungen treffen, wartest aber zu lange, weil du niemanden enttäuschen möchtest.

·       Du willst Vertrauen schaffen, ziehst dich aber zurück, sobald Spannungen im Team entstehen.

·       Du willst auf Augenhöhe führen, gerätst aber immer wieder in Machtkämpfe mit starken Persönlichkeiten.

·       Du willst souverän wirken und merkst doch, wie sehr dich Kritik trifft.

Kennen wir alle ein bisschen. Manche mehr. Manche offiziell weniger. 😉

Spannend wird es, wenn sich solche Situationen wiederholen. Immer wieder derselbe Typ Chef. Immer wieder dieselbe Art Konflikt. Immer wieder ähnliche Spannungen im Team. Immer wieder das Gefühl: „Warum lande ich schon wieder genau hier?“

Dann lohnt sich die Frage: Ist das wirklich Zufall? Oder wirkt hier ein inneres Muster, das längst älter ist als die aktuelle Führungsrolle?

Zufall?

Viele Führungskräfte führen nicht nur aus ihrer heutigen Verantwortung heraus. Sie führen auch aus alten Erfahrungen heraus.

·       Aus dem Wunsch, endlich ernst genommen zu werden.

·       Aus der Angst, nicht gut genug zu sein.

·       Aus dem inneren Druck, alles im Griff haben zu müssen.

·       Aus der Überzeugung, stark sein zu müssen und keine Schwäche zeigen zu dürfen.

·       Aus dem alten Satz: „Ich muss leisten, damit ich wertvoll bin.“

Solche Glaubenssätze sind nicht einfach „private Themen“. Sie wirken im Führungsalltag. Sie beeinflussen, wie wir entscheiden. Wie wir kommunizieren. Wie wir mit Konflikten umgehen. Wie sehr wir kontrollieren.

Und genau deshalb beginnt wirksame Führung nicht erst bei Methoden, Tools oder Führungsmodellen. Sie beginnt bei der Frage:

Was führt mich eigentlich, wenn ich führe?

Das ist keine esoterische Frage. Das ist eine sehr praktische Führungsfrage. Denn wer sein eigenes Muster nicht kennt, wiederholt es:  In Meetings. In Konflikten. In Feedbackgesprächen. In der Strategiearbeit. usw.
Und manchmal sogar bei der nächsten Kündigung, obwohl man sich geschworen hatte: „Diesmal mache ich es anders.“

Die gute Nachricht

Ein Lebensskript ist kein Urteil. Es ist ein inneres Drehbuch. Und Drehbücher kann man überarbeiten.

·       Nicht mit einem schnellen Tipp.

·       Nicht mit noch einem Leadership-Framework.

·       Sondern durch ehrliches Hinschauen, gute Reflexion und die Bereitschaft, die eigenen Muster wirklich zu erkennen.

Als Executive Coach arbeite ich genau an diesen Punkten

·       Wo blockiert eine Führungskraft nicht wegen fehlender Kompetenz, sondern wegen alter Muster?

·       Wo wird eine Entscheidung nicht getroffen, weil die Fakten fehlen, sondern weil innerlich etwas dagegenhält?

·       Wo entstehen Konflikte nicht aus Sachfragen, sondern aus unbewussten Rollen, Projektionen oder alten Prägungen?

·       Und wo kann eine Führungskraft wieder frei, klar und wirksam werden?

Denn am Ende geht es nicht darum, jemand anders zu werden. Es geht darum, nicht länger von alten Mustern geführt zu werden. Sondern selbst wieder zu führen. Klar. Menschlich. Wirksam.

Vielleicht ist die wichtigste Führungsfrage deshalb nicht:

„Was muss ich besser machen?“

Sondern:

„Welches alte Drehbuch schreibe ich gerade unbewusst weiter?“

Wie alte Drehbücher neu geschrieben werden können, behandle ich in einem künftigen Beitrag.

 

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